Die Kunst von Geisteskranken - Outsider Art als Wegbereiter der Moderne

Veröffentlicht auf von kothbiro.over-blog.de

 

Outsider Art, auf Deutsch Außenseiterkunst, beschreibt  eine autodidaktische Kunstform, die außerhalb der Normen entsteht.

Der französische Maler Jean Dubuffet beschäftigte sich mit dieser rohen Kunst und prägte sie 1945 mit dem Begriff Art Brut. In seiner eigenen Sammlung alternativer Kunst, setzte sich Dubuffet vor allem mit der Kunst von Geisteskranken auseinander.

Psychiater verwendeten die Kunst ihrer Patienten, um eine Diagnose zu erstellen. Die Dokumentation der Werke seiner Patienten und die Proklamation in ihrem Wesen Kunst zu erkennen und die Durchsetzung ihrer Anerkennung, wurde durch den Kunsthistoriker und Arzt Hans Prinzhorn Anfang des 20sten Jahrhunderts bemüht. Die Outsider Art seiner Patienten ist heute in der Sammlung Prinzhorn in Heidelberg zu sehen.Neben der 'primitiven Kunst' und die naive Kunst von Kinderhand beeinflusste Prinzhorns Forschung über die Kunst von Geisteskranken die Moderne wesentlich. Eine Patientin beschäftigte sich mit der Kunstform des Collagierens, lange bevor sie zu einer Technik der Bildenden Kunst erklärt wurde. Im Jahr 1922 veröffentlichte Hans Prinzhorn seine Theorien in seinem Buch "Bildnerei der Geisteskranken". Ein Jahr zuvor erschien "Ein Geisteskranker als Künstler" von Walter Morgenthaler. In dieser Arbeit beschreibt der Autor und Psychiater die Krankengeschichte eines schizophrenen Patienten und betont die Bedeutsamkeit der Kunst als unterstützende Therapieform. Es ist der ertse Bekannte Fall, in dem ein Psychiater seinen schizophrenen Patienten als Künstler ernst nimmt.

Ein weiterer Arzt, der sich für die allgemeine Anerkennung von geistigen Störungen als Krankheiten einsetzte, war der Leiter der Psychiatrie in Salpêtrière, Jean-Martin Charcot. In Zusammenarbeit mit Désiré-Magloire Bourneville, dokumentierte er die Krankheitsgeschichte von Patienten, die unter Hysterie litten. Seine Methode, Patienten aufzufordern, in ihren Porträts ihren eigenen Wahn darzustellen war unter anderen Therapieformen Charcots umstritten. Désiré-Magloire Bourneville veröffentlichte die Krankheitsgeschichten der Patienten mit ihren Porträts 1875 in "Iconographie photographique de la Salpêtrière". Die Fotografie diente Jean-Martin Charcot zur Untersuchung und Verständnis neurologischer Erkrankungen.

Die Outsider Art als Wegbereiter der Moderne beeinflusste im Wesentlichen das Schaffen von Künstlern wie Pablo Picasso, Alfred Kubin und Max Ernst.

 

 

 Desire-Magloire-Bourneville-Iconographie.jpg

 (Quelle: www.bridgemanart.com)

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